[Startseite]

[Anfragen]

Kurzvorstellung der aktuellen Vollkeramiksysteme

(überarbeitet nach Manfred Kern, Arbeitsgemeinschaft Keramik; Prof. Dr. Lothar Pröbster, Wiesbaden-Tübingen; aus DZW-Zahn-Technik 4/02)


©: mit freundlicher Genehmigung der AG-Keramik

Gesinterte Glas- und Feldspatkeramiken
Bei Sinterkeramiken - zum Beispiel Vitadur; Biodent Inlaykeramik, Optec, Mirage - wird die Verfestigung der Keramik durch feinverteilte Leuzit- und Feldspatkristalle erreicht. Dadurch sind Sinterkeramiken für adhäsive Restaurationen angezeigt. Wenn genügend konditionierbare Zahnhartsubstanz zur Verfügung steht, können mit hinreichender Sicherheit Inlays, Onlays, Teilkronen und Veneers eingliedert werden.

In-Ceram (Alumina, Spinell, Zirconia)
In-Ceram erreicht seine hohe Festigkeit durch ein spezielles Verfahren. Auf einem Spezialgipsduplikat des Meistermodells wird aus einem Aluminiumoxid-Schlicker die Modellation des Kronen- oder Brückengerüsts vorgenommen. In einem Brennvorgang werden die Gerüste gesintert. Das daraus resultierende kreideartige Gerüst wird mit Lanthanglas infiltriert. Dadurch werden die Poren der Keramik aufgefüllt, der Werkstoff verdichtet. Das Ergebnis ist eine deutliche Steigerung der Festigkeit (400 bis 600 MPa). Danach wird die Verblendung mit Aufbrennkeramik vorgenommen.
Vorgesinterte, industriell gefertigte In-Ceram-Keramikblocks werden für die Kopierschleiftechnik mit Celay und für das CAD/CAM-Fräsverfahren mit Cerec geliefert. Durch die vorgesinterten Rohlinge fällt die lange Sinterzeit weg, und wegen der höheren Kapillarität ist auch die Infiltrationszeit drastisch verkürzt, so dass die Herstellzeiten in der Praxis bei höherer Materialqualität deutlich geringer ausfallen.
Eine Sonderstellung bei In-Cerarn nimmt das Wolceram-System (auch Flemming-Cream, bellaDent) für labortechnische Fertigungszentren ein. Hier wird unter Nutzung moderner Digitaltechnik das Kronenkäppchen geschlickert, gebrannt und gesintert - und die Festigkeit ebenfalls durch Infiltration erhöht.

Empress Presskeramik
Dieser Werkstoff -- eine Glaskeramik aus Siliziumoxid, Aluminiumoxid und Kaliumoxid mit Leuzit als Kristallbildner - ist der Urvater vieler Presskeramiken, die heute am Markt sind. Das Leuzit wird bei 1.170 Grad Celsius aus Kalifeldspat gebildet und stabilisiert die Struktur der Keramik. Ausgangspunkt für Empress war die ursprüngliche Keramik-Gießtechnik, aber im Gegensatz zum Schleuderguss (Dicor) wird die schmelzflüssige Keramik pneumatisch in eine Hohlform gepresst. Aufgrund der Festigkeit von zirka 220 MPa eignet sich Empress I für Inlays, Onlays, Teilkronen und Veneers; sie müssen adhäsiv befestigt werden.
Empress 2 ist eine Modifikation, entwickelt für Kronen und engspannige Brücken für die Front bis zum 2. Prämolar. Die Verwendung von Lithiumdisilikat bietet eine erhöhte Festigkeit von 350 bis 400 MPa. Die Struktur der Lithiumdisilikatkristalle gleicht dem "Mikado-Prinzip"; Mikrorisse werden damit am Weiterlaufen behindert. Ein Riss muss entweder viele Grenzflächen überwinden oder um die Kristalle herumlaufen, so dass die Rissenergie umgewandelt und zerstreut wird.

Keramik-abtragende Verfahren
Während bei den bisher vorgestellten Verfahren eine thermische Bearbeitung zur Formung der Restauration erforderlich war, ermöglichen abtragende Verfahren, aus vorgefertigten Rohlingen vollkeramische Restaurationen herzustellen. Dies hat den Vorteil, dass industriell vorgefertigte Keramiken (Blocks) mit definierten physikalischen Eigenschaften zum Einsatz kommen und Verarbeitungsfehler verringert werden.

Celay Kopierschleifverfahren
Dies ist eine rein mechanische, präzise arbeitende Kopierschleiftechnik, bei dem ein Kunststoffmodell mit der Restauration abgetastet und zeitgleich aus einem Keramikrohling geschliffen wird. Ursprünglich für Inlays und Onlays aus Feldspatkeramik konzipiert, ist seit der Verfügbarkeit von In-Ceram-Keramikblocks (Alumina, Spinell, Zirconia) auch das Fertigen von Kronen und engspannigen Brücken möglich.

Cerec CAD/CAM für Praxis und Labor
Hier handelt es sich um das erste brauchbare CAD/CAM-gestützte Verfahren, das sich mit Cerec 3 besonders für den multiplen Praxiseinsatz eignet (chairside). Die Präparation wird durch eine kleine Digitalkamera im Mund aufgenommen, die erzeugten Bilddaten kommen auf die Windowsoberfläche eines marktgängigen PC. Es erfolgt die Konstruktion der Restauration (Inlay, Onlay, Teilkrone, Veneer, Krone) mit unterstützenden Gestaltungshinweisen aus der Zahndatenbank. Präparationsgrenzen sind als Schnittbild kontrollierbar.
Der endgültige Schleifbefehl setzt die Fräsmaschine in Gang; sie schleift innerhalb weniger Minuten aus Keramikblocks die Restauration. Deshalb ist die Versorgung des Patienten in einer Sitzung möglich. Verwendet werden industriell vorgefertigte Feldspatblocks (Mark II; Procad), die zur Individualisierung keramisch bemalt und glasiert werden können. Über die mit dem Cerec-System gefertigten Restaurationen liegen klinische Daten von mehr als zwölf Jahren aus Anwenderpraxen mit hohen Überlebensraten vor, die am "Goldstandard" liegen.
Eine neue Variante ist das Cerec inLab für das zahntechnische Labor. Hier wird ein konventioneller Abdruck von der Präparation genommen. Das duplizierte Sägemodell wird in einem Laserscanner abgetastet, die Bilddaten auf dem PC-Bildschirm zu Kronen oder dreigliedrigen Brücken konstruiert.
Das System eignet sich besonders zur Herstellung von Kronenkäppchen und von Brückengerüsten, die aufbrennkeramisch verblendet werden.
Als Keramikblock wird In-Ceram (Alumina, Spinell, Zirconia) als teilgesinterter Rohling verwendet. Nach dem Ausschleifen wird die Restauration infiltriert, das heißt, die poröse Struktur wird mit Lanthanglas verdichtet; die Festigkeit steigt dadurch erheblich an.

Procera AllCeram
Dieses System fertigt Kronenkäppchen aus dicht gesintertem, reinem Aluminiumoxid, das eine Biegefestigkeit von mehr als 600 MPa aufweist. Zur Herstellung wird der Kronenstumpf vom Sägemodell taktil mit 20.000 Messpunkten abgetastet. Der Datensatz geht via Telefonleitung zum Werk in Schweden, wo ein um zirka 20 Prozent vergrößerter Stumpf hergestellt wird. Die Vergrößerung berücksichtigt die Sinterschrumpfung der Keramik, die auf den Stumpf gepresst wird. Nach der anschließenden Sinterung nimmt die Kronenkappe die ursprüngliche Modellgröße wieder ein. Laut Hersteller kann von der Stufenpräparation zu Gunsten einer Hohlkehle abgewichen werden.
Dreigliedrige Brücken werden im gleichen Verfahren hergestellt - es werden jedoch Einzelteile gesintert (Kronenkäppchen, Zwischenglieder), die dann im verarbeitenden Labor zusammengeklebt werden müssen.

DCS Zirkonoxidkeramik
Ursprünglich entwickelt für die Fertigung von Kronen und Brücken aus Vollgusstitan, hat DCS die Verarbeitung von Zirkonoxidkeramik vorangetrieben. Hier wird Zirkonoxid im bereits dichtgesinterten Zustand verarbeitet, was hohe Anforderungen an die Schleifwerkzeuge (Sinterdiamanten) und Geduld hinsichtlich der Bearbeitungszeiten stellt. Die Festigkeit der Zirkonoxidkeramik liegt bei mehr als 1.000 MPa und ist somit aus technischer Sicht für weitspannige Brückengerüste und implantologische Suprakonstruktionen geeignet. Ungeklärt ist jedoch noch das klinische Langzeitverhalten weitspanniger Zirkonoxidkeramikgerüste auf das Parodontium und auf den Alveolarknochen aufgrund der absoluten Verwindungssteifigkeit.

Cercon Zirkonoxidkeramik
Degussa verarbeitet bei diesem System Zirkonoxidkeramik als "Grünling", also im teilgesinterten Zustand. Die Idee ist, die Formgebung der Keramik im weichen Zustand zu erreichen, um dann durch einen anschließenden Sinterprozess die höhere Festigkeit des Zirkonoxids zu erreichen. Durch dieses Vorgehen bleiben die Schleifzeiten kurz, die Diamantschleifkörper werden geschont. Als Vorbereitung wird die Krone und das Brückengerüst vom Wachsmodell gescannt und um 32 Prozent vergrößert aus dem Keramikblock ausgeschliffen. Anschließend wird die Restauration gesintert und auf die Modellgröße zurückgeschrumpft. Dies bringt einen Zuwachs an Festigkeit. Präparativ ist vom Zahnarzt eine Mindestwandstärke von 0,4 mm zu berücksichtigen - für den Präparationswinkel werden 3 bis 4 Grad empfohlen. Klinische Langzeitdaten liegen noch nicht vor.

Girrbach Digident
Dieses CAD/CAM-System ist für Lohnarbeiten in Laborzentren konzipiert, weil es aufgrund seiner Produktivität weit über die Möglichkeiten eines einzelnen Dentallabors hinausgeht. Das System ist universell ausgelegt; es verarbeitet Hartkernkeramik wie Zirkonoxid, Keramik-Grünlinge vor der Sinterung, aber auch Metalle wie Titan, Chrom-Kobalt, Gold und Kunststoff. Die Modelle werden von der Kamera digital erfasst; Gegenbiss, Achs- sowie Kieferrelationen können eingelesen werden. Es wird eine Kaufunktion im virtuellen Artikulator simuliert, wobei Interferenzen eliminiert werden können. Zahn-zu-Zahn und Zahn-zu-Zweizahn-Beziehungen können eingestellt werden. Im Grunde handelt es sich um ein vorweggenommenes Einschleifen. Die Fräszeiten für eine Zirkonoxidkeramikbrücke liegen bei 90 bis 120 Minuten. Damit rückt die Vollkeramikbrücke, an einem Tag gefertigt und verblendet, in den Bereich des Möglichen.

Weitere CAD/CAM-Systeme
Die Universalität des Werkstoffs Keramik, aber auch die arbeitstechnischen Vorteile der CAD/CAM - Technik haben weitere Unternehmen ermuntert, digital-arbeitende Systeme vorzubereiten. So sind in den nächsten Monaten folgende Markteinführungen zu erwarten, die alle die Bearbeitung von vollkeramischen Werkstoffen zum Ziel haben:
Cad.esthetics von Ivoclar Vivadent, Lava von 3M Espe, Everest von KaVo, FutureDent von Bego.

Seite ausdrucken

[Startseite]

[Anfragen]


Fenster schließen